Eine Leseprobe für Sie.

Lassen Sie sich inspirieren für Ihre eigene Biografie

Eine Leseprobe für Sie.

Geschichten aus dem Leben. Die können ganz am Anfang beginnen, die ganze Lebenslinie abbilden oder sich auf einzelne Ihnen wichtige Ereignisse konzentrieren. Welche Form Sie auch immer für Ihre Biografie wählen, wir tauchen im Dialog in Ihre Erinnerungen, Fotos und Dokumente ein und entwickeln gemeinsam Ihre Geschichte, Ihre Biografie. Viel Vergnügen mit der Leseprobe.

Die Wurzeln

Das sind sie – meine Grosseltern mütterlicherseits. Rosa und Franz Pianca. Nonno hat offenbar in dieser Zeit in Luzern gearbeitet – Nonna hat mir früher davon erzählt, dass er im Tessin keine Arbeit bekam und deshalb in Luzern ein Auskommen hatte. Man weiss, dass es zu dieser Zeit vielen Menschen so ging. Interessant finde ich an dieser Karte aus Cademario, dass meine Nonna französisch geschrieben hat und sich dabei für die 10 Franken Zuwendung bedankte. 

 

Zu dieser Zeit also wohnte meine Nonna mit ihren 3 Töchtern Hedwig, Alice und Berta in Cademario im kleinen Haus mit dem Namen „Casa Serada“. Gemäss Erzählungen von  meiner Nonna war dieses Leben von harter Arbeit und viel Verzicht geprägt. Es gibt da noch Aufnahmen von Nonna, die schwer beladen mit Brennholz aus dem Wald kam und fleissig mit ihren Töchtern Kastanien sammelte, die von den Bäumen rund um das kleine Anwesen Casa Serada herunterfielen.

 

 

Spannend ist auch, was im Jahre 1927 die Welt bewegte – was für einen Einfluss hatte das auf das karge Leben im Malcantone?  Wir können es nicht wissen, höchstens vermuten. Und welche Ereignisse hatten Einfluss auf die Entwicklung der drei Töchter?

 

Ein paar Ereignisse aus dem Jahre 1927. Giuseppe Motta wird zum dritten Mal Bundespräsident der Schweiz – immerhin ein Tessiner. Der erste Volvo verlässt das Werk auf der Insel Hisingen – Qualität zahlt sich aus. Eröffnung des Paula Modersohn-Becker-Museum – Nonno hat ja auch gemalt, Inspiration dazu? Wer weiss. Die Miss Deutschland wird erstmals gewählt – ob das die Menschen in Cademario interessierte? Gründung der internationalen Bewegung Bruderschaft der Vagabunden. – hat sich da Nonno inspirieren lassen für seinen Wegzug nach Luzern? Es wäre spannend zu wissen, welche Ereignisse zu diesem Zeitpunkt Gesprächsthema waren und in irgend einer Form Einfluss auf die weitere Entwicklung meiner Familie hatte. Wurzeln ist ja der Titel dieser Kurzgeschichte – was von 1927 ist noch in den Wurzeln vorhanden? Welche Bäume und Äste haben sich daraus wohl entwickelt?

 

1928

Die Mutter meiner Mutter haben sie Nonna genannt, da sie aus dem Tessin stammt. Immer dann, wenn es in der Familie um ein Thema ging, das nicht für die Ohren der Kinder bestimmt war, haben meine Mutter und meine Nonna italienisch gesprochen. Wir Kinder fanden das eigentlich unfair, den Klang jedoch der Stimmen und die eleganten und singenden Töne der italienischen Sprache kann ich heute noch aus meinem Gedächtnis abrufen. Kann durchaus sein, dass sich da meine Liebe zu Italien entwickelt hat. Dazu dann viel später mehr auf der Spurenreise. 

 

Warum habe ich obige Foto für meine erste Geschichte gewählt? Durch den Abgleich mit vielen alten Aufnahmen kann ich annehmen, dass es sich hier um die Familie meiner Nonna, resp. um die Familie ihres Mann handelt. Meinen Nonno habe ich leider nie kennen gelernt, da er früh und vor meiner Geburt verstorben ist. 

 

Die Szene ist in Cademario im Tessin aufgenommen. Auf der Rückseite des Bildes konnte ich die Jahreszahl 1928 ausmachen. So wie die Menschen angezogen sind, ist diese Aufnahme vielleicht an einem Sonntag gemacht worden oder man hat sich speziell für den Fototermin in Schale geworfen. Schade eigentlich, dass ich nicht mehr darüber berichten kann, aber das gibt Raum für Phantasie. Die Menschen auf dieser Aufnahme könnten uns viel über die damalige Zeit erzählen. Wäre doch schön – oder?

Cademario

Eine kleine Übersicht und ein paar Informationen zu Cademario selbst. Die romanische Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich auf den Grundmauern einer älteren Kirche erbaut. Im 14. Jahrhundert wurde sie mit einem Seitenschiff ergänzt und mit Fresken ausgeschmückt, von denen sich Reste erhalten haben. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche ein weiteres Mal erweitert. Ihre Achse wurde dabei nach Norden gedreht, ein rechteckiger Chor wurde angebaut sowie das Bodenniveau angehoben. Das letzte Mal renoviert wurde die Kirche 2004. Sie ist im Kulturgüterschutz-Inventar der Schweiz gelistet. Mein Nonno hat als Kunstmaler dieses oben abgebildete Bild gemalt und das hängt jetzt bei mir im Wohnzimmer. 

 

Cademario ist eine politische Gemeinde in der Region Malcantone im Kreis Agno im Bezirk Lugano des Kantons Tessin in der Schweiz. Der Name dürfte sich von Casa de Mario (Haus von Mario) ableiten. Cademario liegt im oberen Malcantone auf der westlichen Seite des Vedeggiotals.. Der höchste Punkt liegt auf einer Höhe von 974 Metern bei der Alpe Agra, der tiefste Punkt auf 374 Metern oberhalb Bioggio. Rund 16 Prozent der Landfläche Cademarios werden landwirtschaftlich genutzt, knapp 80 Prozent sind bewaldet. Das Klima ist aufgrund der besonnten und windgeschützten Lage mild, fast mediterran. Bis heute steht dort ein berühmtes Kurhaus.

 

Lebende Ortsbürgerfamilien

  • Alberti (De Alberti), Bernardazzi, Carletta, De Vittori (Devittori, Vittori), Fontana (di Bosco Luganese), Jermini, Monti (Monte, Montinus), Moriggia, Panzera, Pianca (Planca, Piancha, Pyancha), Righetti, Vanetta.


Gemäss dieser Auflistung gehören offenbar auch die Piancas , die Familie meiner Vorfahren - zu den Ortsbürgerfamilien. Wäre sicher interessant, hier einmal nähere Recherchen anzustellen – ein ideales Feld für einen Familienforscher. 

Nun aber zu Cademario, der Casa Serada und meiner Geschichte, meinen Erinnerungen und Erzählungen. Wie ich bereits unter Wurzeln erwähnt habe, stammen meine Nonna, mein Nonno und meine Mutter aus Cademario. Nonna hat mit ihren drei Töchtern das kleine Haus „Casa Serada“ bewohnt. Dieses kleine und einfache Haus – in meiner Erinnerung mitten im Kastanienwald – wurde nach dem Wegzug meiner Nonna mit ihren Töchtern nach Luzern leider verkauft. Sicher auch deshalb, weil es zu dieser Zeit wirtschaftlich nicht rosig war und Nonno sehr früh verstorben ist.

Auf diesem Bild ist meine Mutter mit mir und meinen beiden älteren Brüdern Ernst und Franz. In meiner Erinnerung waren wir einige Male zu Besuch bei den neuen Besitzern von Casa Serada. Mein letzter Besuch war im Jahre 1980 zur Vorbereitung des Geschenks an meine Nonna zu ihrem 90. Geburtstag. Dazu stellte ich Fotos und Natur-Souvenirs, wie die typischen Kastanien zu einem ganz persönlichen Geschenk zusammen. Ich stellte eine Kohlenzeichnung des Häuschens her und davon war meine Grossmutter am meisten berührt. Was wohl aus dieser Zeichnung geworden ist? 

 

Als kleine Kinder waren wir mehrmals mit unserer Mutter in Cademario. Dort haben wir jeweils eine Mischung aus Rotwein und Wasser zum Trinken bekommen. Das war offenbar normal in diesen Regionen. Ob aus diesen Ereignissen meine Vorliebe für Rotwein entstanden ist ? Heute lieber ohne Beimischung von Wasser.